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Offener Brief des NABU-Kreisverbandes Frankfurt am Main e.V. an die demokratischen Parteien im Römer
NABU Frankfurt fordert von der neuen Stadtregierung klare Prioritäten für den Natur- und Artenschutz
Mit Blick auf die anstehenden politischen Entscheidungen nach der Kommunalwahl im März 2026 richtet der NABU Frankfurt deutliche Forderungen an eine neue Stadtregierung. Angesichts der ökologischen Herausforderungen in einer wachsenden Metropole braucht es mutige, verbindliche und langfristig tragfähige Entscheidungen.
Arten- und Biotopschutz: Schutzgebiete stärken, verbindlich sichern und weitere ausweisen
Das 2021 fertiggestellte Arten- und Biotopschutzkonzept der Stadt Frankfurt am Main (ABSK) ist ein bundesweit einmaliges zentrales Steuerungsinstrument für den Erhalt der biologischen Vielfalt in Frankfurt. Der NABU fordert:
die konsequente Umsetzung und Weiterentwicklung des ABSK,
die rechtliche Sicherung besonders sensibler Biotope durch großzügige Ausweisung neuer Naturschutzgebiete,
eine bessere Verzahnung des ABSK mit Bauleitplanung und Infrastrukturprojekten,
angemessene personelle und finanzielle Ausstattung des Umweltamtes zur zügigen Umsetzung der im ABSK beschriebenen Maßnahmen.
Ziel muss sein, dass Frankfurt seinen Beitrag leistet, die völkerrechtliche Verpflichtung Deutschlands aus der Montreal-Konvention von 2022 zu erfüllen, 30 % der deutschen Landfläche bis 2030 unter Schutz zu stellen. Gerade im dichtbesiedelten Ballungsraum ist die Erhaltung und Wiederherstellung natürlicher Lebensräume zur Steigerung der Lebensqualität der Bevölkerung besonders wichtig.
Gewässerschutz: Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie
Die EU‑Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) verpflichtet die Mitgliedstaaten der EU, bis 2027 ihre Gewässer in einen „guten ökologischen Zustand“ zu bringen. Die Stadt Frankfurt hat über ihren Eigenbetrieb Stadtentwässerung Frankfurt GmbH (SEF) bereits eine Reihe von Maßnahmen - unter anderem an der Nidda und den Taunusbächen - umgesetzt, dennoch besteht weiterhin erheblicher Handlungsbedarf, insbesondere was die Wiederanbindung der Fließgewässer an ihre alten Auen sowie die Wasserqualität angeht. Der NABU fordert:
eine beschleunigte Renaturierung der Frankfurter Bäche, Auenbereiche und noch nicht bebauten ehemaligen Feuchtgebiete,
die Entsiegelung und Wiedervernässung geeigneter Flächen,
eine konsequente Reduktion von Schadstoffeinträgen,
die Bereitstellung ausreichender finanzieller Mittel für WRRL‑Maßnahmen,
die Entwicklung von Konzepten zum naturnahen Hochwasserschutz,
die Einrichtung einer Task Force „WRRL Frankfurt“ im Umweltamt, um als ersten Schritt einer zukünftigen Gewässerrenaturierung den Erwerb der nicht bebauten Auenbereiche und Hochwasserüberschwemmungsgebiete durch die Stadt Frankfurt zu forcieren, zum Beispiel im Tausch gegen die umfangreichen im Eigentum der Stadt stehenden landwirtschaftlichen Flächen in höheren Lagen.
Die WRRL ist kein Wunschkatalog, sondern geltendes EU‑Recht. Das Zieldatum 2027 ist zwar kaum zu erreichen, doch die Erfahrung zeigt, dass insbesondere die Entfernung von Uferbefestigungen im Rahmen der Gewässerunterhaltung als erster Schritt vor größeren Maßnahmen nicht nur schnell und kostengünstig umsetzbar ist, sondern gleichzeitig extrem positiv auf die Vielfalt der Gewässerstruktur wirkt und unmittelbare Auswirkungen auf die Artenvielfalt im Gewässer hat.
Flächenversiegelung stoppen: mehr Grün statt Beton
Ein weiteres Handlungsfeld ist die enorme Flächenversiegelung in Frankfurt. Der NABU warnt, dass die Stadt bereits heute mit mehr als 51 % versiegelter Fläche zu den am stärksten versiegelten Kommunen Deutschlands gehört – mit gravierenden Folgen für Klima, Artenvielfalt und Lebensqualität. Der NABU fordert:
den sofortigen Stopp weiterer großflächiger Versiegelungen, insbesondere auch in den Frankfurter Waldgebieten, die gegen weitere Baumfällaktionen für Immobilien- und Infrastrukturprojekte zu schützen sind,
die konsequente Anwendung des „Netto-Null-Versiegelungs“-Prinzips („Flächenkreislaufwirtschaft“),
die Entsiegelung und Begrünung bereits bestehender Problemflächen, insbesondere innerstädtischer Plätze und Gewerbebrachen.
Jede zusätzliche versiegelte Fläche schafft neue Hitzeinseln, verschlechtert die Wasseraufnahme des Bodens und zerstört wertvolle Lebensräume. Die neue Stadtregierung muss hier zügig und entschieden gegensteuern, um den schleichenden Verlust der Frankfurter Naturräume und landwirtschaftlichen Flächen endlich zu beenden.
Appell an die neue Stadtregierung
„Angesichts der Krise der Biodiversität (Artenvielfalt) stehen wir an einem ökologischen Wendepunkt. Zur Sicherung unserer Lebensgrundlagen muss die neue Stadtregierung den Naturschutz zur echten Priorität zu machen und ihren Beitrag zur europäischen Wiederherstellungsverordnung leisten. Wir erwarten entschlossenes Handeln – nicht irgendwann, sondern jetzt.“ so Martin Miller, 1. Vorsitzender des NABU-Kreisverbandes Frankfurt am Main. „Natur- und Artenschutz sind kein Luxus, sondern Grundlage für eine lebenswerte Stadt, die ihren Bürgern Erholungsräume im Grünen bietet und mit intakten Ökosystemen das Funktionieren der örtlichen Landwirtschaft sicherstellt.“
Über den NABU
Der NABU Frankfurt ist mit 4500 Mitgliedern der größte Naturschutzverband in Frankfurt (in Hessen 90.000 und bundesweit 960.000 Mitglieder) und setzt sich in Frankfurt seit über 120 Jahren für den Natur- und Artenschutz ein.
Kernbereiche der NABU-Naturschutzarbeit:
Praktischer Naturschutz: Pflege von Schutzgebieten, Artenschutzprojekte, Insektenschutz und Renaturierung
Engagement & Bildung: Umweltpolitik, Petitionen, Umweltbildung für Kinder und Jugendliche.


