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Baumeister Biber im Erlenbach zieht 280 Interessierte an

Wer mehr über den cleveren Meister Bockert und seine Lebensweise im Erlenbach in Nieder-Erlenbach erfahren wollte, hatte am vergangenen Sonntag Gelegenheit dazu. Der NABU Frankfurt Nord hatte zu einer spannenden Vortragsveranstaltung im SAALBAU eingeladen, die rund 280 Interessierte anlockte.

Andreas Frey, Vorstandsmitglied des NABU Frankfurt Nord und Organisator der Veranstaltung, meldete im November 2025 den neuen Nachbarn der Stadt Frankfurt. Unmittelbar neben dem Parkplatz an den Fußballfeldern der Turn- und Sportgemeinschaft Nieder-Erlenbach hatte sich ein Biber niedergelassen und einen eindrucksvollen Damm errichtet. Es folgten mehrere Ortstermine sowie der Entschluss, die Bürgerschaft umfassend zu informieren.

Nach der Begrüßung durch Frey übernahm Manfred Sattler, ehrenamtlicher Revierbetreuer des Regierungspräsidiums Darmstadt, das Wort. Laut Sattler galt der Biber in Europa lange Zeit als nahezu ausgerottet. Wegen seines dichten Fells – rund 23.000 Haare pro Quadratzentimeter – war er früher ein begehrtes Pelztier. Zwischen 1988 und 1989 wurden im Spessart 18 Tiere ausgesetzt, die sich in den vergangenen Jahrzehnten wieder fast flächendeckend in Hessen verbreitet haben. Heute gilt der Biber zwar nicht mehr als bedroht, steht jedoch weiterhin unter strengem Schutz. Seine Ausführungen untermalte Sattler mit eindrucksvollen Bildern, darunter auch mit einer Aufnahme des Nieder-Erlenbacher Bibers aus einer Kamerafalle.

Der Biberkenner berichtete zudem, dass zahlreiche Tierarten von der Anwesenheit des Bibers profitieren. Durch den Bau von Dämmen entstehen wertvolle Stillwasserzonen sowie Versteckmöglichkeiten für Fische, Vögel und Amphibien. Gleichzeitig gibt es jedoch auch Nutzungskonflikte. So können Biberdämme laut Gottfried Lehr, Vorstandsmitglied der IG Nidda, insbesondere bei Niedrigwasser ein Hindernis für wandernde Fischarten wie die Meerforelle während der Laichwanderung darstellen.

Anschließend sprach Christian Kehrenberg, Funktionsbeauftragter Naturschutz bei HessenForst, über das Hessische Bibermanagement. Neben der rechtlichen Einordnung und den zuständigen Akteuren ging er ausführlich auf die Vorteile des Bibers ein: Als natürliche Landschaftsgestalter agieren Biber unbürokratisch, ohne langjährige Planung und kostenfrei. Ihre Dämme wirken als Sedimentfallen, halten Schlamm und Nährstoffe zurück, reduzieren die Fließgeschwindigkeit und schaffen vielfältige Lebensräume. Zudem fördern sie die Selbstreinigung der Gewässer. Bei Starkregen verlangsamen Biberteiche und -dämme den Abfluss und tragen so zur Hochwasserminderung bei.

Kehrenberg betonte außerdem, dass Biber weder an der Ansiedlung gehindert noch vertrieben werden dürfen. Möglich seien lediglich Präventionsmaßnahmen, sobald ein Tier vor Ort ist. Dazu zählen unter anderem Schutzmaßnahmen wie Umzäunungen gegen Fraß- und Nageaktivitäten sowie Maßnahmen zur Vermeidung von Rückstau oder zur Sicherung von Zu- und Abflüssen. Die Entfernung eines Biberdamms ist nicht nur gesetzlich verboten, sondern führt häufig dazu, dass der Biber an derselben Stelle einen noch größeren und stabileren Damm errichtet. Zum Abschluss zeigte der Biberexperte Bilder des neuen Biberreviers im Erlenbach mit kleinen Wasserfällen, angenagten Bäumen und einem aufgestauten See – laut ihm sein schönstes Biberrevier.

Im Namen des NABU bedanken wir uns bei allen Besuchenden sowie bei den Referenten für den gelungenen und informativen Abend.

Weitere Informationen
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