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Wiederherstellung naturnahe Wälder ist dringender als je zuvor

NABU: Naturnahe Wälder sind stabiler und kühlen in heißen Sommern

1 Jahr EU-Wiederherstellungsgesetz

Heute vor einem Jahr trat das EU-Wiederherstellungsgesetz der Natur in Kraft. „Das Gesetz ist das größte gemeinsame Naturschutzprojekt der EU – und eine echte Chance für Mensch und Natur. Es schafft Lebensräume, speichert CO₂, schützt vor Überschwemmungen und Dürren und schenkt uns Orte zum Durchatmen in heißen Sommern“, erklärt NABU-Landesvorsitzender Maik Sommerhage. Hierbei spielen besonders Wälder eine große Rolle. „An heißen Sommertagen bieten schattige, naturnahe Laubwälder einen erfrischenden Zufluchtsort für uns Menschen“, so Sommerhage. Kühl und feucht sind sie gleichzeitig weniger anfällig für Waldbrände als leicht brennbare Nadelholzkulturen. Der NABU Hessen fordert daher die Wiederherstellung von mehr naturnahen Wäldern und echten Naturwäldern ohne forstliche Nutzung. 

Damit wendet sich der NABU gegen Forderungen mehrerer CDU-Landwirtschaftsminister, des Bauernverbands und des Verbands der Waldbesitzer in den letzten Tagen, die die Wiederherstellung der zerstörten Natur ablehnen. „Die Attacken richten sich gegen das Wiederherstellungsgesetz der EU in Gänze“, so Sommerhage. Dabei wird damit nur verbindlich, was bereits seit über 30 Jahren immer wieder in politischen Strategien festgeschrieben wurde: Das Artensterben zu stoppen. Diese Strategien, wie z.B. die Nationale Biodiversitätsstrategie,  seien bisher „kläglich gescheitert“, weil es ihnen an Verbindlichkeit fehlt.


Nach der neuen Bundeswaldinventur hat nur weniger als ein Drittel (27%) der hessischen Wälder eine sehr naturnahe Baumartenzusammensetzung. Heimische Laubbaumarten sind im Klimawandel aber wichtig, weil sie viel weniger Waldbrand-gefährdet sind als naturferne Nadelforste aus Fichten oder Douglasien. Von Bedeutung ist auch die Geschlossenheit der Bestände: „Je dichter das Kronendach, desto geringer ist auch die Aufheizung und Austrocknung des Waldes“, erklärt der NABU-Waldexperte Mark Harthun. Das steigere den Schutz der Bäume vor Vertrocknung und den Erholungswert für Besucher. Kühle Wälder sind sogar Rückzugsorte für manche Tierarten des Offenlandes, denen es in den Feldern zu heiß wird. Echte Naturwälder ohne Nutzung wachsen bislang nur auf 4% der hessischen Waldfläche, obwohl Politiker seit Jahrzehnten mindestens 5% fordern. „Mehr Naturwälder sind wichtig, weil nur hier das Kronendach nicht durch Baumfällungen immer wieder aufgerissen wird. Eine Wiederherstellung naturnaher Wälder ist daher dringend notwendig und bringt viele Vorteile“, erklärt Harthun.

Hintergrund naturnahe Wälder

Naturnahe Wälder sind überwiegend dunkel, feucht und kühl, es finden sich zahllose Moose und Pilze, vermodernde Stämme speichern die Feuchtigkeit und bieten jungen Bäumchen Schutz zum Keimen. Sie sorgen für eine dicke Humusschicht, die Wasser speichert und langsam an die Bäume abgibt. Zahlreiche Spechte wie Schwarzspecht, Buntspecht, Grün- und Grauspecht klopfen ihre Höhlen in beeindruckende dicke Bäume, in die später bis zu 60 Nachmieter einziehen, wie die Haselmaus oder der Siebenschläfer. Im Winter, wenn der meiste Regen fällt, haben Laubbäume keine Blätter. Daher kommt viel mehr Regen am Boden an als in Nadelwäldern. So füllt sich der Wasserspeicher und das Grundwasser – die beste Anpassung im Klimawandel.

Hintergrund Wiederherstellungsgesetz der Natur

Knapp 80 Prozent der geschützten natürlichen Lebensräume in Europa sind geschädigt. Das Gesetz zur Wiederherstellung der Natur soll bedrohte Ökosysteme wie Moore, Wälder und Auen wieder in einen guten Zustand bringen. Das hilft auch uns Menschen. Die wenigsten unserer europäischen Ökosysteme sind intakt oder überhaupt noch vorhanden. Genau hier setzt das neue Gesetz an: Wenn wir unsere Natur langfristig erhalten wollen, müssen wir sie erst einmal heilen. Dazu gehört zum einen, schädliche Einflüsse zu reduzieren und die Nutzung von natürlichen Ressourcen nachhaltiger zu gestalten. Zum anderen müssen Ökosysteme aber auch aktiv repariert und teils sogar neu geschaffen werden. Dazu gehört zum Beispiel, Moore wieder zu vernässen oder Flüsse mit abgetrennten Altarmen zu verbinden. All dies ist nicht neu. Wiederherstellung war schon immer ein integraler Bestandteil des Naturschutzes. Doch sie wurde häufig nur freiwillig, unverbindlich oder mit unklarer Zielsetzung angegangen. Genau diese Lücke schließt nun das „Nature Restoration Law“ der EU, das Gesetz zur Wiederherstellung der Natur.

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